Historischer Hintergrund
Der Zweite Weltkrieg war ein Konflikt von beispiellosem Ausmaß, verheerender Zerstörung und unvorstellbarem Leid. Als nationalistischer, rassenideologischer Vernichtungskrieg von deutschem Boden aus begonnen, fielen ihm mehr als 60 Millionen Menschen weltweit zum Opfer, davon ca. 55 Millionen Zivilisten. Frontkämpfe, Kriegsgräuel, Holocaust, Bombenkrieg, Genozid, politische und religiöse Verfolgung, Flucht und Vertreibung hinterließen eine traumatisierte Generation.
Die Gedenktafel an der Friedhofskapelle ist ein Ort des Gedenkens für Angehörige. Sie ist auch ein wichtiges historisches Zeugnis, das uns Einblicke in unsere Geschichte gibt und der Mahnung dient. Diese Kontexttafel dient der Aufarbeitung und Einordnung in den Zusammenhang der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Sie soll aufzeigen, dass es mehr Opfer gibt als auf der Gedenktafel dargestellt sind und das die Frage nach Tätern und Opfern sehr komplex ist.
Obwohl es derzeit weltweit zahlreiche Konflikte gibt, ist für uns heute ein Krieg ein entferntes, unwirkliches und beängstigendes Ereignis. Es liegt in unserer Verantwortung, sich mit der Gegenwart und der Vergangenheit auseinanderzusetzen und an die schrecklichen Ereignisse zu erinnern. Die Gräueltaten der Geschichte dürfen sich nicht wiederholen. Wir müssen weiterhin unsere Demokratie, den Frieden und die Freiheit schützen.
"Feldpost"
„ ‚Auf Wiedersehen', so stand auf jedem Brief, auf jeder Karte die du schriebst. Hab guten Mut, ich komme wieder, denn ich stehe ja in Gottes Hut. Zu früh bist du von uns geschieden und läßt uns nun im Schmerz allein zurück. ‚Allein zu sein', die Worte leicht zu sagen, und doch so schwer zu tragen.“
Aus einem Trauerbrief, addressiert an die Familie des im Dezember 1944 gefallenen Willi Brückmann
Kriegstote in und bei Heiligenrode
Krieg findet niemals nur an den Frontlinien statt. Er trifft auch die Zivilbevölkerung, die fernab von Schlachtfeldern lebt.
Am 30.07.1943 flüchtete Erna Umbach mit ihrem vier Monate alten Sohn Gerhard in den Bunker an der Wicherstraße, als die britischen Lancaster-Bomber zahlreiche Sprengbomben auf Heiligenrode abwarfen. Eine der Bomben traf den Bunker - Mutter und Sohn starben, während der Vater an der Front war. Auch die Gaststätte „Zum Niestetal“, in der rund 100 belgische und niederländische Zwangsarbeiter untergebracht waren, wurde getroffen. An diesem Tag haben 19 Menschen in Heiligenrode ihr Leben verloren, über 200 Häuser wurden zerstört oder beschädigt.
Unter den Todesopfern waren auch sieben Zwangsarbeiter aus Belgien und den Niederlanden. Arnold Joseph Maessen und Nikolaus Gelswyk aus den Niederlanden wurden in ihre Heimat überführt, August van Tichelt, August Louis Vertommen, Marcel Cacymann, Franz Boiy und Louis de Feu liegen hier bestattet.
Doch es gab noch weitere Opfer, die hier ihr Leben ließen. Am 3. Oktober 1943 wurden zwei britische Bomber abgeschossen. An Bord waren H. Norton, E. Greenfield, R. Martin, S. Stait, J. Stevens und W. Whalley sowie W. Penman, M. Braines, E. Mitchell, M. Root-Reed, K. Stephenson, D. Thomson und D. Wilkinson. Die beiden Besatzungen verbrannten bei dem Absturz nahe Windhausen. Heute liegen sie auf dem Englischen Friedhof in Hannover.
Am 5. April 1945 kamen bei Kampfhandlungen in Heiligenrode noch ein Österreicher und ein Amerikaner ums Leben.
Das Leben, das wir führen ist wertvoll und sollte nicht an Krieg und Konflikte verschwendet werden. Für den Frieden!
